„Die Insel der glücklichen Bienen“

 

Eine Ausstellung von Flurina Hack in der Galerie Atelier Worb, 12. – 28.8.2011 Träume ich schon? Ist die Maus dümmer als ich? Ist alles bereits dagewesen? Ist Kunst eine Lebensnotwendigkeit? Verstehe ich, was ich sagen will? etc., etc. Auf einer leeren Registrierkassen-Rolle sind sie aneinander gereiht, mit gleichmässiger Handschrift, 212 existenzielle Fragen am laufenden Band, aus dem Schaffensprozess entstanden und als wirres Konglomerat einer permanenten Hinterfragung ergiessen sie sich nun von der Decke auf den Boden. Insgesamt 234 Fragen stellt die Künstlerin Flurina Hack dem Besucher in ihrer neuen Ausstellung im Atelier Worb – 22 kommen in Form von Bildern und Installationen noch zu den Notizen hinzu. Damit macht sie auch gleich deutlich, dass sie es dem Betrachter nicht allzu leicht machen will und dass sie gerne mit ihm in einen Dialog treten würde. Denn eine der Fragen lautet auch: „welche Fragen stellen sich die Betrachter?“ und die Antworten darauf können die Besucher gleich an der Ausstellung deponieren. Und dass sie es sich selbst auch nicht allzu leicht macht, davon zeugen ihre Werke. Mit der „Insel der glücklichen Bienen“, einer Installation rund um einen Zeitungsausschnitt mit gleichnamiger Überschrift, schafft sie gleichsam eine Metapher für die brüchige Realität in diesem Land, indem sie uns vertraute Dinge zu einem hintergründigen und irgendwie morbid anmutenden, ästhetisch perfekt komponierten und damit seltsam unnahbaren Ganzen zusammenstellt. Und auch in ihrem Bilderzyklus „fremde Tage“ erweist sie sich als wache Zeitgenossin, die sich mit den alltäglichen Schreckensmeldungen der Zeitungen auseinandersetzt und diese als Ausgangspunkt und Malgrund für ihre Hinterfragungen nutzt. Indem sie das Schreckliche mit dem Alltäglichen ohne Newswert kombiniert, macht sie Aussagen zur Gleichzeitigkeit der Ereignisse und nicht zuletzt auch zum Prozess der Wahrnehmung. Die vorwiegend in gelb/schwarz oder gelb/rot gehaltenen „Übermalungen“ sind starke Zeugnisse einer intensiven Auseinandersetzung mit der täglichen Informationsflut. Dass dabei die Lust am Improvisieren und am Experiment nicht verloren gegangen ist, davon zeugen auch die weiteren Werke dieser Ausstellung. „Ich suche den Zufall, das Spielen mit Gedanken und mit neuen Materialien und Techniken treibt mich an“ sagt die Künstlerin von sich selbst. Den Besuchern dieser ausdruckstarken Ausstellung bleibt nur zu wünschen, dass sie eine der Fragen von Flurina Hack mit ja beantworten können: “Träume ich schön?“.

 

Die 1968 in Bern geborene Flurina Hack ist ausgebildete Pflegefachfrau. Über zehn Jahre hat sie sich in diversen Weiterbildungen auf ihren Entschluss vorbereitet, sich ab 2009 ganz der bildenden Kunst zu widmen. Als freischaffende Künstlerin arbeitet sie heute in ihrem Atelier in den Vidmarhallen und ist in den letzten Jahren an diversen Einzel- und Gruppenausstellungen mit Installationen, Collagen, Objekten, Drucken sowie Malerei und Zeichnungen in Erscheinung getreten.

 

Die Ausstellung in der Galerie Atelier Worb vom 12. bis 28. August 2011 ist jeweils freitags von 18-20 Uhr, samstags von 14-17 Uhr und sonntags von 10-12 Uhr geöffnet. Vernissage ist am Freitag, 12. August, ab 18 Uhr.

 

(von Max Schläfli, www.atelierworb.ch)

 

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